Letzte Aktualisierung: 13.06.2012

Ein Sonntag war es, als der Narrenverein Anselfingen aus der Wiege gehoben wurde. Am 10.02.1907 brachten die Männer der ersten Stunde

Adolf Distel Johann Sprenger
Wendelin Gschlecht Engelbert Dietrich
Josef Seidler Adolf Sprenger

den Verein auf seinen langen Weg. Sie bekleideten die Ämter 1. und 2. Vorstand, Kassierer, Schriftführer und zwei Verwaltungsräte.

Gleich in den ersten Jahren ist von großen Umzügen mit Wagengruppen und der Welschinger Musikkapelle die Rede. Ebenfalls wurde ein Narrenbaum eingeholt und aufgestellt, im Übrigen befand sich das Narrenbaumloch bereits damals am gleichen Ort wie heute.

Doch bereits vor der Vereinsgründung, so um die Jahrhundertwende, sind fastnächtliche Bräuche überliefert. Am Schmutzigen Dunschtig zogen vor allem Kinder und Jugendliche mit viel Lärm und Krach, ausgerüstet mit Deckeln, alten Blechbüchsen und „Saublotere“ gruppenweise durchs Dorf. Sie waren mit altem Häs, wenn möglich farbig, und umgekehrten „Schobben“ bekleidet. Manche Kleidung war damals schon mit Flitter oder farbigen Bändern verziert. Die Scharen riefen immer wieder launige Narrensprüche wie:

Hansele, du Lumpenhund,
hesch it gwißt, dass d’Fasnet kunt.
Hättesch s’Mul mit Wasser griebe,
no wär der s’Geld im Beutel bliebe ! Narro

Den Umherziehenden wurde Dürrobst, Äpfel oder Nüsse aus dem Fenster zugeworfen. Zimperlich waren die damaligen Fasnachtsnarren allerdings nicht. Das belegen derbe Sprüche, die immer wieder geschmettert wurden, zum Beispiel:
Wenn i amol a Wieb ha,
No woß I wani tue.
I hängere a alti Schälle a
Und verkauf si fer a Kua. Narro!

Bereits 1908 hatte der Verein 40 närrisch, nerrsche Mitglieder.
1912 wurde dann die erste Narrenhochzeit abgehalten. Die Brautleute

Gustav Veit und Ernst Sprenger

sollten kräftig für „Narrensamen“ sorgen. Da in der Regel der 1. Vorstand auch Narrenvater war, ist die Wichtigkeit der damaligen Narreneltern als Obernarren deutlich abzulesen. Einen Hemdglonkerumzug mit der hiesigen Musikkapelle fand erstmals 1914 statt.

In den kommenden Kriegsjahren herrschte in der Narretei verständlich Zurückhaltung,  um ab 1921 aber wieder voll anzulaufen. Nun übernimmt

Felix Veit

das Ruder als Narrenvorstand. Prächtige Umzüge und Veranstaltungen prägen die Fasnacht. Der Verein  hat eine stattliche Anzahl von 76 Mitgliedern. Im Jahre  1924 gibt es bereits wieder einen Vorstandswechsel

Josef Dreher

steht an der Spitze des Vereins um aber bereits ein Jahr später wieder von Felix Veit abgelöst zu werden. Unter ihm nimmt der Narrenverein offiziell den Namen „Hasenbühl“ an. Bei der Namensgebung hat ein Gewann mit der Bezeichnung Hasenbühl, am Ostfuß des Hewen gelegen, Pate gestanden. Nach alter Überlieferung galt nämlich dieses Waldstück als Ort, wo es spukte und nicht ganz geheuer war. Es ist auch bekannt, dass sich Hasen in dieser Gegend sehr zahlreich befanden, und somit willkommene Abwechslungen auf dem Speisezettel der Bevölkerung waren. In diesem Jahr werden erstmals Frauen im Narrenrat aufgenommen, es waren dies:

Marie Ruf und Frieda Sprenger

Die Zahl der Narrenräte wird erweitert, erstmals wird dann 1929 der Elferrat erwähnt. Unter dem neuen 1. Vorstand

Felix Sprenger

werden Elferrat

Alfred Engesser Heinrich Käfer
Anton Auer Karl Streit
Johann Seidler Emil Veit
Franz Sprenger Otto Schmid
Albert Engesser Siegfried Sprenger

Im Jahre 1930 belief sich das Vereinsvermögen auf   41,30 Mark. 1932 wurden vom Narrenverein erstmals Wurst und Wecken für die Kinder spendiert. In den nächsten Jahren sowie während des 2. Weltkrieges waren die Aufzeichnungen recht spärlich und lückenhaft. Nach dem Krieg haben hauptsächlich die Narreneltern dazu beigetragen althergebrachtes Brauchtum an Fasnacht wieder aufleben zu lassen.

Da 1954 bis 1956 fast nur die Schulkinder mit Lehrern und den Narreneltern  die Fasnacht im Dorf gestalteten, war der Zeitpunkt für einen neuen Aufbruch reif. Maßgeblich waren hierfür waren Josef Klett und Adolf Sprenger. Eine Gruppe unentwegter Narren unter Leitung ihres neu gewählten Präsidenten

Hubert Becker

Hauchte dem Verein neuen Geist ein. Kleiner Rat, Elferräte und Narreneltern bildeten eine tatkräftige Vorstandschaft, die in ihrer Zusammensetzung bis  heute Bestand hat. Die Wiederbegründer setzten sich wie folgt zusammen:

1. Vorstand Hubert Becker  
Narreneltern Richard Veit Adolf Sprenger
Schriftführer Alfons Nowak  
Kassierer Ernst Schilling  
Narrenpolizist Willi Martin  
Narrenräte Anton Engesser Hubert Engesser
  Alfred Sprenger Albert Leiber
  Josef Martin Martin Kaiser
  Franz Weh Josef Klett
  Otto Futterer Heinrich Distel
  Josef Bogenschütz  

Die Elfer erhalten einheitliche Narrenkappen.

Gleich 1 Jahr später wurde das 50. Gründungsfest groß gefeiert und neue Akzente gesetzt. Eine Zimmermannsgilde hatte sich gegründet:

Adalbert Bednarz Edwin Engesser
Reinhold Giner Walter Leiber
Rudolf Sprenger Karl Streit
Josef Traber Wolfgang Woosmann

 

Ebenfalls in diesem Jahr wurde der Orden „Letzter Hase vom Hasenbühl“ gestiftet und zum ersten Mal erschien die Anselfinger Narrenzeitung „Hasenohr“. 

Unter der Regie von Huber Becker entstehen auch wesentliche Gründzüge der Dorffasnacht:

     -   Am 11.11. wird die Fasnacht aus der Wiege gehoben                             
     -   Geräuschvolles Wecken durch die Zimmerleute am Schmutzigen Dunschtig.

  1. Der Narrenbaumloch-Suchtrupp ist unterwegs
  2. Kinderbefreiung und Amtsenthebung der Dorfgewaltigen
  3. Narrenbaumumzug und Stellen
  4. Hemdglonkerumzug mit anschließendem Hemdglonkerball  
  5. Ein Bunter Abend am Sonntag wird fester Bestandteil
  6. Der Fasnachtdienstag steht ganz im Zeichen der Kinderfasnacht
  7. Die Verbrennung der Fasnacht am Abend zeigt das Ende der närrischen Tage an

Als origineller Brauch wird bereits damals am Fasnachtsmontag  das Hasenessen eingeführt. Diesem Brauch liegt ein mehrfacher Sinn und Zweck zugrunde. Einmal sollen sich alle aktiven Narren während der Fasnachtstage zu einem gemütlichen Beisammensein, frei von allen sonst in der Fasnachtszeit notwendigen Funktionshandlungen, zusammenfinden. Zum anderen möge dabei die treue Verbundenheit mit dem „Wappentier“ des Narrenvereins „Hasenbühl“ deutlich werden.

1958 zeigt sich der Elferrat erstmals in ihren Umhängen

Als Gründungsmitglied hat unser Verein dann 1959 die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee mit ins Leben gerufen. Präsident Hubert Becker unterzeichnete die Gründungsurkunde mit dem Ziel, die dörflichen Vereine im Hegau und Bodenseeraum zusammenzuführen. Ebenfalls in diesem Jahr wurde der Narrenpolizei komplett eingekleidet.

Während der Amtszeit von Präsident Becker wird 1961  mit den „Hasenbühlerinnen“ eine weitere Gruppe ins Leben gerufen und eingekleidet. Die Gründerinnen waren:

Klara Gommeringer Hermine Schilling
Josefine Distel Irmgard Martin
Melitta Becker Frieda Mayer
Maria Bucher Anneliese Brucker

Das Vereinszepter übernimmt im Jahre 1963 der neue Präsident

Josef Martin

Unter seiner Regie werden weitere wichtige närrische Elemente hinzugefügt:

  1. Zum 60. Geburtstag 1967 wird im Hasenbühl ein neuer Meilenstein gelegt. Erstmals hoppeln Hasen mit Kostümen und Holzmasken durch’s Dorf:
Ilse Bäuerle Roswitha Finus
Margot Gommeringer Gisela Martin
Rosel Sprenger Bertel Traber

Neue, vom Narrenverein entworfene, bunte Narren-Hausfahnen wurden von fleißigen Hasenbühlerinnen geschneidert und genäht und schmückten fortan das Dorf an den Fasnachtstagen.

 

Um den Hasenbestand im Dorf nicht übermäßig anwachsen zu lassen, musste 1968 eine neue Gruppe installiert werden: Die Jäger

  1. Alfred Bucher Emil Gommeringer
    Josef Speichinger Erwin Seidler

1968 beteiligt sich der Verein erstmalig an einem auswärtigen Narrentreffen.

 

Eine Strafkasse für unentschuldigtes Fehlen in Sitzungen wurde eingeführt,  der Inhalt wurde dann am 11.11. versoffen.

Das Hasenbühler Narrenlied, komponiert vom damaligen Schulleiter Alfons Nowak wird zu ersten Mal vom Musikverein gespielt.

Wiederum auf Initiative von Josef Martin, konnte mit Hilfe von zahlreichen freiwilligen Spenden im selben Jahre eine gestickte Vereinsfahne angeschafft werden. Folglich wurde der erste Fähnrich eingekleidet:

Rolf Gommeringer

Da  die Lieferung der Hasenfelle für die Holzmasken in den Folgejahren ins Stocken geriet, wurde eigens hierfür eine Havanna-Hasenzucht ins Leben gerufen.

Als der Verein 1969 am Narrentreffen in Tengen teilnehmen wollte, ergaben sich „Widrige Umstände“. Da der bestellte Bus mit erheblicher Verspätung fuhr, musste sich  der Großteil des Vereines in den bereits laufenden Zug einreihen. Und dubioser Weise wurde der organisierte Langholzwagen für den mitzunehmenden Narrenbaum, in einer Nacht und Nebelaktion auseinandergebaut.

1970 nimmt erstmals ein kleines Narren-Brautpaar am Umzug teil.

Am 11.11.1970 tritt der neue Präsident

Karl Häusler

sein Amt an. Unter ihm wurde der „Närrische Jahrmarkt“ ins Leben gerufen. Nun erhielt die so genannte „Villa Luise“ ihre Berühmtheit.  Mit seiner Mannschaft machte Karl Häusler aus einer Bruchbude eine urige Narrenvilla mit viel Charme. Hier wurde gefeilscht, gehandelt und verkauft. Typische Attraktivitäten wie „Billiger Jakob“, „Haut den Lukas“, „Wahrsagerin“, „Nagelbock“, „Ponyreiten“, „Glücksrad“, „Scherenschleifer und „Losstand“ hielten hier Einzug.

Diese Idee bescherte dem Verein einen wirtschaftlichen Höhepunkt. Am Abend soll man den Säckelmeister mit dickem Vereinsbeutel und strahlendem Gesicht angetroffen haben.

1972, zum 65. Geburtstag wurde das Dorf mit Transparenten, Fahnen und Girlanden festlich geschmückt und der „Hasenbühl“ empfing seine Gäste zur Feier. Erstmals beteiligten sich auch benachbarte Zünfte am Umzug. Die Rolli-Zunft aus Welschingen sowie die Biberjohli aus Watterdingen  präsentierten sich mit den Hasenbühler in einem farbenfrohen Zug.

Nachdem Jubiläum  bis 1974 wurde das Narrenschiff präsidentenlos von der Vorstandschaft gesteuert.

1973 stellten die Zimmermänner den selbstgebauten, legendären  „Hasenexpress“ vor; ein Umzugsgefährt mit motorisierter Straßen-Lokomotive und zwei Anhängern um Narrensamen bzw. fußlahme und andere gebrechliche Narren zu bewegen.

Im Jahre 1974 übernahm

Johann Futterer

das Vereinszepter, das er 22 Jahre innehatte. Er ist somit der Präsident, der dieses Amt am längsten ausführte und wurde, nachdem er abdankte zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Eine „rebellische“ Aktion erfolgt im Jahre 1976, als nach der Eingemeindung unserer Dorfes bei der Stadt Engen,  die Anselfinger Narren  schwer bewaffnet mit Spießen, Sensen und  Gabeln das Rathaus in Engen stürmten, um das zu Unrecht vereinnahmte Feld zurück zu erobern.

Im Jahr 1976 konnte der Elferrat in neuem Häs bewundert werden. Bezeichnend hierfür auch die selbst gestrickten rot-gelben Ringelsocken.

In Verantwortung des Präsidenten „Johann I.“ feierte der Verein zwei Narrentreffen.  Zum 70. Geburtstag wurde 1977 ein größeres Freundschaftstreffen mit 11 Vereinen organisiert.

Am 01. April 1979 feierte die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee ihren 20. Geburtstag. Mit Stolz verwies Präsident Johann Futterer auf die vorzüglich gestaltete Urkunde, mit der der Narrenverein Hasenbühl als  damaliges Gründungsmitglied der Vereinigung geehrt wurde.  Fortan darf sich der Narrenverein „Narrennest der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee“ nennen.

1982 wurde unter Regie von Johann Futterer der 75. Geburtstag gefeiert, der das bisherige Maß mit 19 teilnehmenden Zünften absolut übertraf. Noch heute wird sich die Bevölkerung an dieses außergewöhnliche dreitägige Jubiläum erinnern. Über 1000 Hästräger und 13 Musikkapellen nahmen am Sonntag am Umzug teil.

1983 fand dann das erste Kärrele-Rennen statt. Mit viel Phantasie und Können wurden die verschiedensten Kärrele gebaut. Zu sehen waren ein Märchenbett, das Sanitätsauto, eine Badewanne, eine Rakete und vieles mehr.

Am 01. Juli 1986 wird der Narrenverein Hasenbühl als „e.V.“ eingetragen.

Nach beachtlicher 15-jähriger Präsidententätigkeit erhielt Johann Futterer von der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee die besondere Auszeichnung, den Dackelorden und vom Narrenverein einen lebendigen Dackel.

1996 wurde erstmals eine Frau zur Präsidentin gewählt:

Marita Bogenschütz

übernimmt das Zepter und beweist sich bereits ein Jahr später als 1997 der 90. Geburtstag des Vereins in der Stadthalle Engen gefeiert wird.

Das närrische Wahrzeichen wird am Morgen von den Ehinger Holzern im „Ziebele-Wald“ gefällt.

Unter  der Regie von Marita Bogenschütz  gratulieren in der ausverkauften Halle zahlreiche Zünfte und  Gäste. Am selben Wochenende waren die Hasenbühler  Gastgeber der Zunftmeistertagung der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Hier wurde den Gästen tolle Unterhaltung geboten. In diesem feierlichen Rahmen wird Johann Futterer in den Stand des Ehrenpräsidenten erhoben.

Im Jahr 2000 wurde unser Anselfinger Bürgerhaus eingeweiht, der Narrenverein bekommt dort mit den Vereinsräumen eine neue Heimat. 2001 wird der erste Bunte Abend im neuen Bürgerhaus ein voller Erfolg. Die Feuertaufe ist bestanden.

In 2002 übernimmt unser neuer Präsident

Reinhard Wikenhauser

das Amt. Unter seiner Regie wurde nach zweijähriger Vorbereitungsphase im Jahr 2007  das 100-jährige Bestehen des Narrenvereins gefeiert. Drei Tage lang wurde Hand in Hand mit den örtlichen Vereinen in Anselfingen gefeiert. Von den Gastzünften und aus dem ganzen Dorf hörte man nur Positives darüber. Es war ein Kraftakt für unseren Verein aber er wurde gut gemeistert. Wikenhauser bekleidete sein Amt bis 2008 mit großem Geschick.

Es schien so, als ob der NV Hasenbühl, nach der Ära Reinhard Wikenhauser wieder ohne Steuermann dastand!

Aber einer ergriff das Steuer, um den NV Hasenbühl wieder in ruhigere Gewässer zu führen! Es war der Ehrenpräsident

Johann Futterer

der die Geschicke des Vereins bis zu seinem Rücktritt 2012, aus gesundheitlichen Gründen, lenkte.


Seit dem 08.06.2012 trug der langjährige Narrenvater

Torsten Heinzelmann

das Vereinszepter des NV Hasenbühl Anselfingen e.V 1907 in der Hand.

Fast genau auf den Tag nach vier Jahren, nämlich am 03.06.2016 übergab dieser nach solider, kompetenter und unkomplizierter Vereinsführung Zepter und Amtskette an eine Präsidentin -

Liane Arbogast

die zweite Frau an der Spitze in der Geschichte des Narrenvereines Hasenbühl.